Erinnerungsgeschichten zum Freibadjubiläum


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Erinnerungen von Herrn Walter Stein

Es waren noch zwei Tage bis zur geplanten Schwimmbadeinweihung am 1. Juni 1957. Vor dem Eingangsbereich türmten sich noch Sandberge, die schnellstens eingeebnet werden mussten. Eile war geboten.

Kurzerhand wurden wir 20 Buben der obersten Realschulklasse (damals noch in der Volksschule an der Tuchbleiche) vom Unterricht freigestellt, um diese Arbeit zu erledigen, was uns in dieser kurzen Zeit gelang. So stand der geplanten Einweihung nichts mehr im Wege.

Jeder Schüler erhielt für seinen Arbeitseinsatz einen Gutschein über 5,- DM. Die Jahreskarte für das Bad kostete für uns 6,- DM. Für 1,- DM Zuzahlung verbrachten wir damals einen herrlichen Schwimmbadsommer.

Erzählung von Herrn Walter Stein 


Erzählung von Christine und Karl Gassen

Auch wir haben viele, sehr, sehr schöne Erinnerungen an unser Freibad.

Als Kinder haben wir uns hier das Schwimmen selbst beigebracht, ich fuhr mit einer Freundin meiner Mutter und deren Kindern, mit dem Schienenbus von Mörlenbach nach Reisen. Einfach weil es bisschen billiger war ,wenn wir in Reisen ausstiegen.

Wir liefen im Gänsemarsch an der Hauptstraße entlang ins Schwimmbad.

Ein paar Jahre später (23. August 1968) haben mein Mann und ich uns im Schwimmbad kennengelernt und verliebt. Jeden Mittag kam er mit seinem Kofferradio und "Kolter".

Er war damals bei seinen Eltern als Koch beschäftigt. Man konnte die Uhr danach stellen, dass Schlag 17 Uhr, die Durchsage von Frau Hoffmann kam "Achtung, Achtung....Karl Gassen, bitte sofort nach Hause kommen."

Damals war man tgl. im Schwimmbad, egal wie das Wetter war. Der Bademeister hatte immer etwas zu tun und somit konnten wir uns alle dort aufhalten bis in den Herbst hinein. Das war eine sehr schöne eine unbeschwerte Zeit. Alle aus dieser Zeit, denken gerne daran zurück.

Wir sind noch heute begeisterte Schwimmbadbesucher mit Jahreskarten und freuen uns auf

eine entspannte Zeit in unserem Schwimmbad mit den stets freundlichen Mitarbeitern.

Das ist ein Teil von vielen Erinnerungen, die uns mit unserem Schwimmbad verbinden.


Sommertage im Birkenauer Freibad

So oft es eben ging, verbrachten wir Kinder die Sommertage in „unserem" Schwimmbad. Nach dem Erledigen der Hausaufgaben und sonstiger Verpflichtungen schwangen wir uns aufs Rad und fuhren schnellstens zum Baden. Schon von weitem konnte man vor dem Eingang unzählige abgestellte Fahrräder in der Sonne glitzern sehen (und weitaus weniger Autos als heute...). Als Liege-Unterlage auf der Wiese tat es meist eine alte Wolldecke; die meisten von uns hatten als Proviant Butterbrote dabei, ab und zu auch mal ein paar trockene Kekse sowie kalten Pfefferminztee oder Wasser. Nur einige der Kinder konnten sich auch mal eine heiße Wurst mit Brot kaufen... Aber für ca. 20 Pfennige durfte man sich manchmal ein Stieleis holen, welches in den Sorten Vanille und Schokolade von der Firma „Moha" am Kiosk im Bad zu erhalten war. Dieses Eis schmeckte köstlich und war mindestens genauso gut wie die heutigen im Handel angebotenen zahllosen raffinierten Sorten!

Beim „Hoffmann's Paul machten viele von uns dann das „Frei- und Fahrtenschwimmer"-Abzeichen, welches mit Stolz an der Badebekleidung getragen wurde. Ich erinnere mich noch deutlich an Herrn Hoffmann's tief sonnengebräunte Haut und an seine Triller-Pfeife, die er öfters mal anwenden musste, wenn es allzu wild zuging. Der erste Bademeister vom Birkenauer Bad war Respektsperson und Ansprechpartner in einem! Er war die gute Seele des Schwimmbades und kannte fast Jeden von uns persönlich mit Namen.

Eine Erzählung von Maria Waldbuesser


Vom Sandkasten in den Hafen der Ehe

Frei nach Klaus Lage „1000 mal berührt….“

Wir kannten uns schon aus der Vorschulzeit, da wir ein Jahrgang sind, gingen wir gemeinsam zur Schule. Auch turnten wir beide beim TSV Birkenau, der damals sehr gute Turner hatte. In der Sommerzeit verabredete man sich zum Schwimmbadtreff. Hier wurden im Wasser Pyramiden gebaut und auf der Wiese geturnt. Aber man lag auch mal faul auf der Matte.

Es ergab sich, dass ich neben einem Mädchen lag, das ich, wie schon erwähnt, schon ewig kannte. Und plötzlich hat es ZOOM gemacht. Wir waren beide etwas überrascht, als wir uns zum ersten Mal küssten. Dieser heiße Sommertag war der Beginn eines langen gemeinsamen Lebensweges, denn nun sind wir schon fast 52 Jahre verheiratet.


Glück im Unglück

Die Schwimmer der Schwimmabteilung fuhren im Winter an jedem Sonntagmorgen mit dem Bus zum Training nach Mannheim in das Herschelbad. Hier gab es auch ein 3 m Sprungbrett. Darüber war eine rundumlaufende Balustrade, von der man eigentlich nicht springen durfte, aber der jugendliche Leichtsinn kennt oft keine Grenzen. Also sprang einer vom 3m Brett, während gleichzeitig ein anderer seitlich von der Balustrade sprang. Dies hatte zur Folge, dass sich zwei Köpfe, zum Glück unter Wasser trafen, denn das Wasser minderte den Aufprall. Beide kamen mit blutenden Platzwunden an die Oberfläche, welche ambulant versorgt werden mussten. Dies hatte zur Folge, dass das Mittagessen kalt war, weil wir mit reichlicher Verspätung nach Hause kamen.


Fangspiel

„Nachmacherl’‘s über’s Eck“, ein Fangspiel, wobei man nicht über die Ecke vom Schwimmbecken laufen durfte, sondern nur über das Wasser. Dieses Fangspiel fand immer am Sprungturm, mit Einbeziehung vom 5er, 3er und 1 Meter Sprungbrett statt. Hierbei war große Ausdauer, schnelles Schwimmen und langes Tauchen von großem Vorteil. Meistens suchte sich der Fänger eine Person aus, die er dann bis zum Abschlagen jagte. Aber auch jeder andere Mitspieler musste auf der Hut sein.

So geschah es eines Tages, dass ein Gejagter auf den 5 Meterturm stieg und als der Jäger kam, sprang er vom 5 m-Brett auf das 3 Meterbrett, das machten Geübte oft, um dann mit Saltos ins Wasser zu tauchen. Hier jedoch sprang er überhastet und unkontrolliert ab, verlor beim Hochfedern des 3 m-Brettes total die Richtungslinie und prallte mit dem Oberkörper auf den Beckenrand. Dabei brach er sich das Schlüsselbein und musste notärztlich versorgt werden. Seit seiner Genesung wird er von Insidern nur noch „Silberknochen“ gerufen und das Springen vom 5er auf das 3 m Brett wurde verboten.


Heißer Sommertag ohne Schwimmbadbesuch

Für den Eintritt ins Schwimmbad bekam ich 50 Pfennige und machte mich zu Fuß von der Obergasse auf den Weg ins Schwimmbad. Am Friedhof kam mein Freund auf dem Fahrrad vorbei. Er sagte: „Steig auf den Gepäckträger, ich nehme dich mit.“ An der Hammelsbrücke stand der Ortspolizist und hielt uns an. Wir mussten 50 Pfennig Strafe zahlen. Trotz des Versprechens nie mehr zu zweit auf das Fahrrad zu steigen, blieb er unerbitterlich und so ging ein heißer Ferientag ohne Schwimmbadbesuch vorbei.


Unverhofft kommt oft

Bei der Eröffnung des neuen Schwimmbades fanden unter anderem Schwimmwettkämpfe der verschiedenen Altersklassen für die Mitglieder des Schwimmvereins statt. In meiner Altersklasse fand mangels Teilnehmer kein Wettkampf statt, aber bei den zwei Jahre älteren war noch ein Startplatz frei. Daher kam der Bademeister, Paul Hofmann, mit dem Abteilungsleiter Klink auf mich zu und fragte, ob ich nicht mitschwimmen könnte, damit alle Startblöcke besetzt wären. Da ich noch kein Mitglied war, musste ich vorher noch einen Mitgliedsantrag ausfüllen. Das Ende vom Lied war, dass ich den Wettkampf entgegen aller Erwartungen gewonnen habe und dadurch zu den Badischen Jugendmeisterschaften durfte, bei denen ich gegen rund zwei Jahre ältere Schwimmer Badischer Jugendmeister der Altersklasse wurde.


Erlebte Erinnerungen aus dem Birkenauer Freischwimmbades im Sommer 1957 zur Zeit des Bürgermeisters Paul Hoffmann.

Diese Erzählung beginnt mit einem Höhepunkt, der fast allabendlichen Wassertauchschau meines Alterskameraden Walter Vetter; immer so zwischen 19:00 und 20:00 Uhr. Sie war zirkusreif und nicht ganz ungefährlich und für den Bademeister Paul Hoffmann nicht akzeptabel, doch den Walter juckte das nicht. Er hatte seine Zuschauer; die machten Ihm Platz für seine Vorführungen und er nahm alles auf seine Kappe, auch das eventuell Schiefgehende. Nicht allein die Kinder lachten sich krumm. Doch auch mancher schüttelte den Kopf über seine fast nicht möglichen scheinenden Einlagen. Der Beginn war ein kurzes Abduschen am unteren Einstiegsfußbecken nahe dem damals noch stehenden Sprungturm. Er ging in das betonierte Fußbecken, dass damals noch mit einer Gummimatte ausgeschlagen war und tappte mit seinen Füßen, die Sohlen dabei abreibend, durch das Becken, den Brausedrehhahn kurz aufdrehend um seinen doch massigen Körper unter dem Wasserstrahl abzukühlen. Dann nahm er kurz Anlauf, machte, den Bauch dabei etwas anspannend, einen Bauchklatscher in das maximal mit 15 cm hochstehendem Fußwasserbecken, rutsche auf dem Bauch durch das Becken, um sich am Ende mit den Händen am Beckenrand bremsend, ohne eine Miene zu verziehen, aufzurichten. Die Leute, die sich das ansahen, schüttelten nur den Kopf und guckten den Speckbauch von Walter an und jeder wundert sich, dass man keine Hautabschürfungen sah. Er, der Walter verzog bei der Ouvertüre seiner jetzt beginnenden Wasserschau keine Miene.

An einem sehr heißen Sommertag lehnte ich am Geländer vor der akkurat geschnittenen Ligusterhecke, die die Liegewiese zum Beckenbereich abgrenzte. Neben mir, ebenfalls angelehnt stand Johannes Uhle, in einem sehr leichten hellbraunen Anzug gekleidet, der älteste Sohn unseres damaligen Pfarrers Uhle und wir beide beobachten amüsiert Walter Wetters Wasserschau. Zuerst ging er auf das Ein-Meter-Sprungbrett, guckte, ob sein Eintauchareal frei war, wartete bis ein schwimmendes Mädchen oder ein Mann in die von ihm kalkulierte Nähe kam. Nahm dann Anlauf, sprang mit beiden Füßen auf das Ende des federnden Brettes und vollführte dann mit einer vollendeten „Arschbombe“ seinen Einschlag ins Wasser. Die dann logisch entstehende Bugwelle schwappte über deren Kopf und so manche betroffene Person schnappte nach Luft, nach dem unverhofften Überfluss an Wasser. Über eine Beschwerde eines Erschrockenen lachte Walter und meinte: „Wannt Angscht hoscht vorm Wasser muscht halt hausbleibe!“

Die nächste steigernde Sprungeinlage war, dass er auf das Dreimeterbrett hochstieg, auf dem Brettende hüpfend, dieses steigernd zum Federn brachte und dann beim letzten Wipper die Beine nach vorne streckte, um dann nach dem Aufschlag seines Allerwertesten auf dem Brett, mit einem Bauchklatscher auf das Wasser knallte, dass wir Zuschauenden nur mit dem Kopf schütteln konnten. Auf meine Frage, ob er keine Angst hätte, dass er sein männliches Erkennungszeichen beim Aufschlag seines doch massigen Körpers zwischen seinem Hinterteil und dem entgegenschlagenden Sprungbrett bringen konnte, da meinte er nur lapidar: „Ja unn, dann gibt’s halt koan neije Walter meh.“

Die absolute Krone an diesem besagten heißen Abend war, der Walter stieg zum betonierten Fünfmeterturm hoch, sprang mit beiden Füßen gleichmäßig auf das ruhende Dreierbrett, das ihn dann hochschnellen ließ, um dann genau dosiert so um etwas mehr als einen halben Meter vor dem seitlichen Beckenrand, Füße voraus einzutauchen. Die Umstehenden, ob im Badedress oder wie der geschockte Johannes Uhle, im hellbraunen Sommeranzug, bekamen natürlich ein paar große Wasserspritzer ab.

Aber es sollte noch besser kommen. Wir alle meinten, wegen dem geringen Abstand zwischen Beckenrand und Walters Einschlag; diesmal hat es ihn erwischt. Doch der Walter schoss wie ein Delphin in die Höhe, riss seine großen Augen auf und japote: „Helft ma mol!“ Er streckte dabei seine linke Hand hoch, um seinem zu erwarteten Helfer einen Zugriff zu geben. Der eilfertige Johannes als wohlerzogener Pfarrerssohn griff zu, um den verletzt geglaubten Walter helfend herauszuziehen. Der Walter aber griff mit seiner freien Hand dem verdutzten Johannes an den Oberarm, packte zu und der auch nicht gerade dünne Johannes flog wie bei einem Judokampf über den Walter hinweg in das blauschimmernde nasse Element. Im Gegensatz zu seinem Bruder Philipp hatte Johannes keine sportlichen Ambitionen bzw. Talente, aber schwimmen konnte er und so kam er gleich nach dem unfreiwilligen Abtaucher wieder hoch und sein bedauerliches Aussehen bewirkte bei uns Zeugen dieser Szene ein herzhaftes Gruppengelächter. Als nun der nach Luft schnappende Johannes seine noch im Gesicht klebenden dunklen Haasträhnen aus dem Gesicht wischte, sagte der sichtlich zufriedene Walter doch despektierlich: „Sou säigscht deim Alte, des wär fer de örtliche Käichesteier!“ Ich war ob der Schlagfertigkeit meines Altersgenossen perplex. Auf das Passierte angesprochen, meinte der Walter: „Ja Heiner, des häb ich mer vorher genau so ausgedenkt!“

Auf den Grund der Attacke hingewiesen, sei dem Leser dieser Zeilen erklärt, dass es Anfang der 60er Jahre im letzten Jahrhundert eine von der evangelischen Kirchengemeinde erhobene Kirchensteuer gab, die für örtliche Kirchenbelange verwendet werden sollte. Sie hatte keineswegs eine gesetzliche Grundlage und wurde in willkürlicher Höhe vom Kirchenvorstand festgelegt und bei Nichtzahlung mit Konsequenzen gedroht. Da ich immer für bestimmte zu erkennende Anlässe meinen Obolus spendete hat mich das auch geärgert; wie so manch anderes auch. Als ich erfuhr, dass einem anderen ledigen jungen Mann mit einer gleichen Lohneinkommensstufe dieses kirchliche Nasengeld erlassen wurde, habe ich damals als alleinverdienender Familienvater mit einem Kind nach einem Wohnungsneuanbau demgemäß auch noch zusätzliche Kosten zu stemmen, dann meine Zahlungen eingestellt. Im Übrigen gab es auch aus diesen Gründen damals zunehmend Kirchenaustritte.

Zur Schwimmbadepisode zurückzukommen: Als der Johannes pitschenass mit seinem am Körper angeklebten, jetzt weitaus dunkler getönten, Sommeranzug über die Metallleiter der Flut entstieg, meinte noch der Walter: „Jetzt kannscht noch als Johannes der Täufer missionieren gäih, muscht noch net ämd de Name ännern, der stimmt sogar un dass zum Date ins Wasser gäischt des sieht ma ja, des grigscht a geklabt.“

Erzählung des Herrn Heinrich Halblaub


Schön war die Jugend, wenn auch manchmal etwas schmerzhaft.

Ein ungeschriebenes Gesetz war, dass sich in der Sommerzeit im Birkenauer Schwimmbad keine Person, geschweige denn eine Familie mit Teppich vor den Umkleidekabinen auf dem überharten Rasenplatz zum Sonnenbaden breitmachte, obwohl es legal gewesen wäre. Alle hielten den Platz frei für unser allabendliches Fußballspiel, das fast wie eine Droge von uns Straßenkickern Besitz ergriffen hat.

Es ging so vor sich, dass wir Halbwüchsigen uns spätestens bis 18:30 Uhr, auch bei der größten Hitze trafen um zwei Mannschaften zu wählen. Die Torpfosten markierten dabei vier Handtücher, weil eiserne Papierkörbe für die Barfüße zu gefährlich gewesen wären. Mit von der Partie war immer der Bademeister Paul Hofmann. Obwohl er unserem Alter weit entrückt war, war er mit großem Ehrgeiz dabei. Er gab uns auch den Zeitpunkt an, wann wir abschließend ins Wasser mussten, um uns abzukühlen. Verschob er auf unsere Bitten den Zeitpunkt nach hinten, so halfen wir ihm immer beim Saubermachen der Liegeplätze und sonstigen Ecken und Flächen, die von den Badegästen tangiert wurden. Jeder von uns versuchte beim Spielen einen besonderen Trick anzuwenden, um sich gegenüber seinem Gegenspieler durchzusetzen. Gelang mal einem ein Beinschuss, so war klar, dass der Ausführende in kürzester Zeit durch ein Foul Bekanntschaft mit dem Rasenboden machte. Waren die Gemüter zu sehr erhitzt, gings ins Wasser. Hier wurden dann im Nichtschwimmerbereich noch Kopfballstafetten geübt.

Eine besondere Art der Wassershow war das Salto drehen. Das wurde wie folgt ausgeführt: Der Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich wurde durch eine Stahlkette mit überzogenem Gummischlauch begrenzt. Jetzt hockte sich der Saltospringer in der Mitte des Bades mit beiden Fußsohlen auf den Schlauch, während links und rechts davon je drei Mann Aufstellung nahmen, die Kette mit den Händen umspannten und nach einem genauen Rhythmus die Kette hochrissen. Der Springer versuchte rück- und vorwärts so viele Salti zu drehen wie er konnte. Bei mir war es ein Vorteil im Bewegungsablauf, dass ich auf ebenem Boden beim Bodenturnen mit einem Anlauf von ca. fünf Metern einem Salto vorwärts schon springen konnte und nun war es mein Ehrgeiz, dass ich aus der Sitzposition mit Schwung einen doppelten Salto rückwärts auch ins Wasser bringen wollte. Nun merkte ich bei einem ernsthaften Versuch, dass ich mit dem Bauch zuerst aufs Wasser klatschen sollte und das kann schmerzhaft sein. Darum zog ich vor dem Aufschlag aufs Wasser meine Knie ruckartig als Schutz zu meinem Kopf. Das Ergebnis war, mit meinem rechten Knie schlug ich mir über der Augenhöhle an der Nasenwurzel das Nasenbein ab. Die Angelegenheit war sehr schmerzhaft und unter Wasser war ich kurz benommen. Wieder aufgetaucht blutet die Nase und der Bademeister, der die Szene beobachtete, rief, besorgt um sein klares Wasser: „Komm sofort raus!“ Ich kraulte zur Ausstiegsleiter, stieg unter dem Gelächter der Sportsfreunde aus dem Becken und rannte zur Toilette um den Blutfluss zu stoppen. Schnell umgezogen fuhr ich zu meinem Hausarzt, Dr. Rudolf Becker. Der meinte lapidar, ein fein sauberer Bruch, aber das könne man am kommenden Montag, nach der Arbeit im Krankenhaus wieder gut reparieren. Ich fragte dann, wird das mit oder ohne Narkose passieren? Natürlich ohne. Ich solle nur für den Mist den ich gebaut habe ruhig etwas aushalten. Meine Nase und um das rechte Auge herum bekam in den nächsten Tagen alle Farben der primären und sekundären Farbenskala. Jedes Mal beim Waschen des Gesichtes bekam ich an der Bruchstelle einen Schmerz, als hätte ich mein Riechorgan neu gebrochen. Der Montag als Arbeitstag war vorbei und ich fuhr mit meinem Fahrrad vom OEG Bahnhof in die Grundelbachstraße zum Krankenhaus. In der Ambulanz empfing mich der damalige stellvertretende Chefarzt Dr Will. Der meinte, die Reparatur wäre eine kurze jedoch schmerzhafte Angelegenheit und ich solle mal die Zähne zusammenbeißen und zeigen, dass ich ein Mann wäre. Er erklärte mir, dass er mit einer Rundzange, wie bei einem Klempner mit den zwei Holmen in die Nasenlöcher reinfahren würde, kurz zukneifen müsse und das abgebrochene Stück Nase mit etwas Zugkraft wieder vorne auf die Bruchstelle setzen würde. Je ruhiger ich sitzen bleiben würde, je gerade würde meine Nase später sein. Ich drückte meinen Rücken gegen die Stuhllehne und krallte meine Hände in den Armlehnen fest. Jetzt begann Dr. Will die Rundzange in die Nase einzuführen. Beim Zukneifen hörte ich alle Engel singen und beim Herausziehen des Bruchstücks röhrte ich ein „Ahh“ in den OP Raum und die Tränen liefen mir über beide Backen. Dr. Will setzte, wie versprochen die Nasenspitze wieder auf und meinte: „So, das wäre geschafft“, und ich wäre sehr tapfer gewesen. Im Anschluss weiß ich nur noch, dass ich noch nie so schnell mit dem Fahrrad von Weinheim nach Birkenau gefahren bin. Daheim angekommen habe ich dann noch vorsichtig und ständig meine Reparaturstelle gekühlt. Nach drei Tagen wurden die Hämatomfarben etwas transparenter und am vierten Tag juckten die Füße wieder zum Fußballspielen. Ich fuhr mit dem Rad ins Schwimmbad und da waren die Kerle gerade beim Wählen der zwei Mannschaften. Ich erklärte noch, dass sie von mir heute keinen Flugkopfball erwarten sollen, was sie alle bestätigten. Wie es der Zufall wollte, war in der gegnerischen Mannschaft der Günter Heinzelbecker. „Usche“, wie wir ihn nannten hatte beim Überspielen eines Gegners immer denselben Trick in seinem Repertoire. Wir kannten ihn alle. Aber jeder fiel auf seinen „Bergtrick“ wie er ihn nannte herein. So ergab sich die Situation im Spiel, dass der nasse schwere Lederball genau vor mir lag und ich nahm mir vor, heute lasse ich den „Usche“ eher über die Klinge springen, als dass er bei mir vorbeikam. Während ich mich auf meine kommenden Reaktionen gedanklich vorbereitete fuhr der Günter mit seinen fünf rechten Zehen einschließlich Vorderfuß unter den Ball und schlenzte die Lederkugel blitzschnell hoch und traf natürlich meinen Riechkolben, genau auf der Spitze. Während ich Sternchen sehend autschend wie ein Apachenhäuptling um sein brenendes Tipi hüpfte, lachte der „Usche“ sich krumm und meinte immer wieder „des war koa Absicht!“ Wir erzählen und heute noch altbetagt bei Zusammentreffen unsere alten erlebten Stories aus der Jugendzeit. Aber ich glaube dem „Kafrus“ heute noch nicht, dass es damals keine Absicht war.

Für die Richtigkeit und Wahrheit der beiden Schwimmbad-Erlebnis-Geschichten bürge ich, Heinrich Halblaub