Chronik - Die Geschichte von Birkenau - La Rochefoucauld

1000 Kilometzer können ja so nah sein


Seit 1976 steht die Langenbergschule Birkenau mit dem Collège Jean Rostand in Kontakt. Die 3449 Einwohner zählende Stadt liegt in der Charente nahe bei Anguleme.


Im Laufe eines Schuljahres findet jeweils ein Besuch deutscher Schüler in Frankreich und ein Gegenbesuch ihrer "Corres", ihrer Partnerschüler, statt. In der Regel fahren 20 -30 Schüler nach La Rochefoucauld, wo sie ca. 10 Tage in einer Gastfamilie verbringen. Die Schüler lernen das französische Alltagsleben und die dortige Schule kennen und erkunden auf Ausflügen die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Region.


Zwischen den Schülern (meist im Alter von 12 - 16 Jahren) sind schon viele langjährige Freundschaften entstanden. Oft sind als Folge daraus Besuche auf eigene Faust unternommen worden.


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Karte von Frankreich

Karte von Poitou Charentes




La Rochefoucauld, Larochefoucauld, altes französisches Adelsgeschlecht, stammt von Fulcaud ab, der um 1026 Burg und Ort La Rochefoucauld (dép. Charent) gründete. Francois I. de La Rochefoucauld (+1517) wurde 1515 von Franz I. zum Grafen erhoben. Sein prot. Enkel Francois III. de La Rochefoucauld wurde 1572 ein Opfer der Bartholomäusnacht. Francois V. de La Rochefoucauld (*1588 +1650) wurde 1622 Herzog und Pair.


1) Francois VI., Duc de La Rochefoucauld, Prince de Marcillac, französischer Schriftsteller, *Paris 15.9.1613, + ebd. 17.3.1680; 1629-31 Offizier, nahm an dem Verschwörungen gegen Richelieu und als militärischer Führer an der Fronde teil. Nach seiner Aussöhnung mit dem Hofe (1653) entfaltete er keinen politischen Ehrgeiz mehr. Seiner umfangreichen "Mémoires" (1662) sind neben denen des Kardinal J. F. P. Retz das bedeutendste literarische Denkmal der Fronde, gerecht auch die Gegner beurteilend, treffsicher in der Charakterisierung, scharfsichtig im Aufdecken verborgener Motive.

La Rochefoucaulds Maximen. Sein Hauptwerk sind die "Réflexions ou sentences et maximes morales" (1665, endgültige Fassung 1678; deutsch von E. Hardt, 1938, und von F.Schalk in: französische Moralisten, 1954), mit denen er unter Verwertung antiker und spanischer Anregungen (Seneca, Gracián) den Aphorismus französischer Prägung schuf. Der Leitgedanke des schmalen Bändchens, wonach menschliches Handeln seinen Ursprung in der Eigenliebe und Selbstsucht habe, war ein durch Thomas Hobbes unter anderem eingeführter Gemeinplatz damaligen Denkens. Neu war dagegen die Erkenntnis der vielartigen Täuschungen, mit denen der Mensch anderen gegenüber bewußt und taktisch, noch mehr aber unbewußt sich selbst gegenüber die eigentlichen Interessenmotive seines Verhaltens durch scheinhafte ethische Werte verschleiert.Dieser Überzeugung von der äußeren und inneren Maskenhaftigkeit des Menschen entspricht das demaskierende Verfahren La Rochefoucaulds, das, unter Ablehnung der stoisch.cartesianischen Vernunftidee, hindurchdringt bis zu einer Schicht, wo der Mensch nur noch Spielball vorpersönlicher Mächte ist. Damit wurde sein Werk das profane Gegenstück zur jansenist. Menschendeutung und zeigt Anklänge an die moderne Tiefenpsychologie. La Rochefoucauld spricht seine Erkenntnisse feststellend aus, in der Genauigkeit seiner jahrelange zu immer stärkerer Kürze umgearbeiteten Aphorismen, deren Zweigliedrigkeit auch formal die Polarität von Schein und Sein spiegelt. Die Nachwirkungen der Maximen von La Rochefoucauld auf die französische Literatur, und nicht nur auf diese, bis in die neueste Zeit sind nicht abzuschätzen.


Quelle: Brockhaus ISBN 3765300004 Band 11 Seite 149





Letzte Änderung: 13.02.2019 08:28 Uhr