Weltpolitik an der Langenbergschule in Birkenau

Kartfahren, Schlossbesichtigung und Kochen für die Völkerverständigung


Birkenau. Einen Monat liegt die Abfahrt der französischen Austauschschüler in ihre Heimatstadt La Rochefoucauld nun schon zurück. Dieser Abstand soll uns erlauben, nicht nur auf die unterhaltsamen Aktivitäten des Schüleraustauschs zu blicken.


Gerade in Zeiten, in denen die Fremdenfeindlichkeit wieder zunimmt und angesichts hoher Stimmanteile auch bei jungen Wählerinnen und Wählern für populistische und rechtsextreme Parteien in Europa, kommt dem internationalen Schüleraustausch eine besondere Bedeutung zu.

Denn ohne dass es ausdrücklich bewusst gemacht werden muss, trägt ein Austausch dazu bei, Berührungsängste gegenüber fremden Kulturen abzubauen. Wer ein anderes Land kennengelernt und mit seinem eigenen verglichen hat, hat seine politische Urteilsfähigkeit nachhaltig geschärft und den Grundstein für die eigene Toleranz gelegt. Deshalb ist die Schülerbegegnung, die zwischen Birkenau und der Partnergemeinde aus der Region Nouvelle-Aquitaine im Departement Charente mittlerweile seit über 40 Jahren besteht, immer auch eine politische Erfahrung... und damit „Weltpolitik“!


Natürlich haben sich über all dies weder Anna und Mathis, noch Margot oder Quentin Gedanken gemacht. Nachdem sie im Herbst eine spannende Zeit in La Rochefoucauld miteinander verbracht hatten, freuten sie sich nun einfach auf ein Wiedersehen und erlebnisreiche zehn Tage in Birkenau. Und erlebnisreich waren sie dann auch:

Nach einer dreizehnstündigen Busfahrt wurden die Jugendlichen, die in diesem Jahr von ihrer Deutschlehrerin Mme Blanc und den Kolleginnen und Kollegen Mme Aubrée, Mme Feyfant und M. Barilly begleitet wurden, am 20. März herzlich in der Langenbergschule empfangen.

In diesem Jahr begleitete auch der Direktor des Collège Jean Rostand, M. Lotodé, den Austausch und konnte sich ein Bild vom Gelingen der Schulpartnerschaft machen. Auf deutscher Seite kümmerten sich in diesem Jahr die Französischkollegen Nico Martin, Ursula Hölzing, Anke Arndt, Stephan Arnold und Christoph Draudt um Organisation, Durchführung und natürlich auch Unterbringung der französischen Lehrerkolleginnen und Kollegen.


Zum Teil mit, zum Teil ohne die deutschen Austauschpartner und -partnerinnen wurden in den kommenden zehn Tagen die Kartbahn Hemsbach, das Technikmuseum Speyer, das Biosphärenhaus Dahn und das Dynamikum Pirmasens besucht. Begleitet wurde das Programm von zahlreichen Projekten in der Schule wie Kochen, Basteln, Sport und Radio Corres, einer von Schülern und Schülerinnen gestalteten Radiosendung, die ohne das Engagement vieler weiterer Lehrer und Lehrerinnen der Langenbergschule nicht hätten realisiert werden können.

Das beste Programm ist jedoch kein Garant für einen gelungenen Austausch. Es muss einfach zwischen den Austauschschülern stimmen. Dass das in diesem Jahr besonders gelungen ist, zeigte sich unter anderem am Abschiedsabend. Er war wie immer durch die Mitwirkung der Eltern auch ein odenwälderisch-kulinarischer Höhepunkt, und bei der Präsentation der gemeinsamen deutsch-französischen Musikprojekte oder des Radioprojekts, aber vor allem beim gemeinsamen Feiern zeigte sich, wie sehr die Jugendlichen zusammengewachsen waren.


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Dieses Zusammenwachsen fand seinen Ausdruck auch darin, dass es für einige der Teilnehmer bereits das zweite Mal war, dass sie Birkenau besuchten. Während es für sie damit auch das letzte Mal war, sitzt die neue Generation schon in den Startlöchern:

Obwohl es den organisatorischen und personellen Aufwand noch vergrößert hat, begleitete auch eine Gruppe von 20 Siebt- und Achtklässlern den Austausch. Wegen der noch fehlenden Sprachkenntnisse waren sie nicht in Familien, sondern in der Jugendherberge Niederliebersbach untergebracht. Von dort aus machten sie Ausflüge nach Heidelberg und Speyer und es gab ebenfalls Projekte in der Schule, bei denen erste Kontakte zu den deutschen Partnern geknüpft wurden, die sie vielleicht in einem kommenden Jahr besuchen können. Einen Nachmittag verbrachten die Kinder auch allein in einer deutschen Familie, die ihre Gäste mit einem tollen Programm auf den Geschmack am „richtigen“ Austausch brachten.


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Dieser positive Ausblick auf das Fortbestehen des Austauschs konnte natürlich den Abschiedsschmerz kein bisschen lindern und so verabschiedeten die Langenberger Schülerinnen und Schüler sowohl die „Kleinen Franzosen“ nach einer Woche als auch die 23 „Großen Franzosen“ nach zehn Tagen unter vielen Tränen und mit der Hoffnung wenigstens einige bald wiederzusehen.


Letzte Änderung: 09.05.2017 15:14 Uhr