40 Jahre Freundschaft zwischen Birkenau und La Rochefoucauld

L`Amitié – 40 Jahre Freundschaft zwischen Birkenau und La Rochefoucauld


L' amitié, diese französische Vokabel hat seit vierzig Jahren ihren festen Platz in den Herzen vieler Birkenauer und einem Teil der Bevölkerung La Rochefoucaulds. Der Grundgedanke der gelebten Freundschaft, Bestandteil des Élysée Vertrages, und ein großes Anliegen der Gründungsväter Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, hat sich, was die Schul- und Städtepartnerschaft der beiden Gemeinden betrifft, erfüllt.


Begonnen hat die Freundschaft im Jahre 1976 mit der Begegnung der beiden Schulen der Gemeinden, der Langenbergschule und des Collèges Jean Rostand. Rainer Stephan, der Rektor der Langenbergschule, erhielt viel positive Rückmeldung von Wolfgang Schmeidel, dem Französischlehrer, der die Schüler bei diesem ersten Austausch begleitete. So initiierte Rainer Stephan, ein Jahr später, ein Treffen der beiden Bürgermeister, Willi Flemming, begleitet von Gemeindevertretern Birkenaus und André Linnard, in La Rochefoucauld. Es folgten gegenseitige Besuche verschiedener Gruppierungen der beiden Gemeinden, bevor dann 1978 der endgültige Verschwisterungsvertrag, die Städtepartnerschaft, besiegelt wurde.


Das Interesse, diese Verbindung mit Leben zu füllen, war groß. Dem regelmäßigen Austausch der Schülerschaft folgten weitere. Neben dem Lehreraustausch trafen sich, im kulturellen als auch im sportlichen Bereich, Abteilungen der Vereine. Auf kommunalpolitischer Ebene, zwischen Gemeindeverwaltung und -mitarbeitern, wie auch innerhalb der Bevölkerung fanden regelmäßige Besuche statt. In diesen vier Jahrzehnten passierten tausende Menschen der beiden Gemeinden die Grenze in beide Richtungen.Es werden heute noch Freundschaften gepflegt, die bis in die Anfänge zurückgehen. Bei all diesen Begegnungen stand nicht nur die Pflege der Geselligkeit im Mittelpunkt, man erhielt Einblick in Kultur, Sport, Politik und Lebensart der beiden Gemeinden und Länder.


Neben den Jubiläen, die immer festlich begangen wurden, sind ganz besondere Ereignisse in Erinnerung geblieben. Gemeinsam besuchte man die Hauptstädte beider Länder. Ein schönes Ereignis war die Einweihung des Platzes La Rochefoucauld in Birkenau, mit der Übergabe eines gußeisernen Brunnen, der zuvor seinen Platz im Schloßhof von La Rochefoucauld hatte. Von ganz besonderer Bedeutung war das Nachstellen einer Charentaiser Bauernhochzeit, mit französischem Bräutigam und deutscher Braut, die von den französischen Freunden, zusammen mit dem Vorstand des Partnerschaftsvereins, anläßlich der 1200 Jahr Feier Birkenaus vorbereitet wurde und mit einem großen Festabend in der Südhessenhalle endete.


Seit der Gründung 1980, unterstützt der Verein zur Partnerschaftspflege Birkenau-La Rochefoucauld e.V. die seit 1978 bestehende Partnerschaft. Dabei fördert der Verein, der zur Zeit 136 Mitglieder zählt, die Begegnungen in finanzieller Weise. Neben der Unterstützung bereits bestehender Kontakte, ist ihm ganz besonders die Förderung der Jugendbegegnungen wichtig, wie den nach wie vor gut funktionierenden Schüleraustausch und die Förderung neuer Initiativen,wie zum Beispiel der Besuch einer Leichtathletikgruppe aus Birkenau-Reisen, im Jahr 2015. Immer wieder entstehen auch neue Kontakte und Vernetzungen. So hat sich das Projekt„Christen für Afrika“, für das sich Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Birkenau in Burkina Faso engangieren, und dort Hilfe in vielfältiger Form leisten, aus dem Kontakt mit La Rochefoucauld entwickelt.


Es ist nicht selbstverständlich, dass solch eine Verbindung wie sie beide Gemeinden leben, so lange besteht. Immer wieder waren und sind Menschen gefragt, die als Motivatoren und Initiatoren die Begegnungen am Leben erhalten. Da sind zu nennen die Bürgermeister der beiden Gemeinden, die Schulleiter, die Vorsitzenden und Vorstände der Partnerschaftsvereine, begleitende Lehrer beim Schüleraustausch und die Mitbürger, die immer wieder bereit sind, französische Gäste aufzunehmen.Ebenso die Mitglieder des Partnerschaftsvereins, die durch ihre Beiträge, die Förderung möglich machen.


Wenn man von Engangement spricht, muß eine Person erwähnt werden, für die die Jumelage zur Lebensaufgabe wurde, und die nach wie vor dafür sorgt, dass diese Partnerschaft lebendig bleibt. Henriette Beauregard begleitete 27 Jahre, zusammen mit Kollegen, französische Schüler beim Schüleraustausch. Seit zehn Jahren kommt sie mit Mitgliedern des Vorstandes des Comité de Jumelage nach Birkenau und bereichert den Weihnachtsmarkt mit dem Verkauf von Produkten aus der Charente.Es gelingt ihr immer wieder, Erwachsene zu motivieren, die deutsche Sprache zu erlernen. Zur Zeit unterrichtet sie 4 Deutsch Gruppen. Jedes Jahr bietet sie, für die Teilnehmer ihrer Kurse und anderen Interessierten, eine Reise nach Deutschland an und macht so die Teilnehmer mit verschiedenen Regionen unseres Landes bekannt. Auch bei den jährlichen Ausflügen der „Fröhlichen Wanderer“ ist sie stets dabei. Mittlerweile ist Mme Beauregard, oder auch als Henriette bekannt, Ehrenbürgerin Birkenaus und aus der erfolgreichen Geschichte der Verschwisterung nicht wegzudenken.


Der am 22.01.1963 geschlossene Élysée Vertrag sollte die Aussöhnung zwischen den Völkern Deutschland und Frankreich besiegeln und der Grundstein für dauerhaften Frieden in Europa sein. Seit dieser Zeit sind ungefähr 2.200 Städtepartnerschaften entstanden. Das im Juli 1963 gegründete Deutsch-Französische Jugendwerk hat in über 300 000 Austauschprogrammen, regelmäßige Treffen zwischen Jugendlichen ermöglicht. Davon mehr als 180 akademische Austauschprogramme in Kooperation von Forschungseinrichtungen. Aktuell versucht man Jugendliche für freiwillige Projekte zu gewinnen, in denen dreiseitige, multilaterale Partnerschaften mit europäischen Ländern, auf verschiedenen Ebenen angestrebt, und die Erfahrungen und Initiativen aus bereits gewachsenen Verbindungen eingebracht werden sollen.


Letzte Änderung: 09.04.2018 11:07 Uhr